Moderne Technik

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Moderne Technik
Vintage Toast im Stil der 60er Jahre.

In den 1960er Jahren war der Herd das Zentrum unserer Küche. Das Geld reichte nicht für Luxus, aber er war solider Standard. Das gute Stück wurde mit Holz beheizt und war weiß emailliert. Vorne gab es eine Klappe zum Backrohr. Auf der schmiedeeisernen Herdplatte war genug Platz für vier Töpfe, was bestens zu unserer kleinen Familie passte. Oder man stellte einfach den riesigen Einkochtopf für Marmelade oder Schlehensaft mitten darauf.

Im Wohnzimmer hatten wir ein altes Radio. Irgendwann wurde dann unser erster Fernseher das wichtigste Möbelstück des Zimmers. Ein Kasten, fast ein Würfel, aus braunem Sperrholz mit Furnier und goldfarbener Verzierung. Auf dem klobigen Gerät stand eine kleine Lampe, die wie eine alte Straßenlaterne aussah.

Wir sahen uns den gut gelaunten Bill Ramsay an. Er trug sein typisches, groß kariertes Sakko und sang: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Peter Frankenfeld wurde schnell der neue Liebling der Familie. An den meisten Tagen waren die Spielfilme um Viertel nach acht der Höhepunkt des Fernsehprogramms. In einem amerikanischen Film mit Doris Day und anderen Stars sahen wir, wie Toastbrot zum Frühstück gegessen wurde. Die blassen, quadratischen Scheiben wurden im Toaster zu etwas sehr Leckerem verwandelt. Obwohl wir es nur in Schwarzweiß sehen konnten, musste dieses neuartige Brot lecker sein, denn die Darsteller aßen es mit Begeisterung. Vielleicht half zudem der überschwängliche Gesang von Doris. So wurde das Toasten modern.

Wir machten unsere ersten Scheiben Toast aus Graubrot direkt auf den Platten des Küchenherdes. Das Brot musste lange auf dem Eisen liegen, bis es braun wurde. Sobald es so weit war, drehten wir die heißen Scheiben mit spitzen Fingern um. Schließlich war unser Toast braun, knochentrocken und hart. Aber mit Butter war er sehr lecker. Damit das Wunder passierte, durfte man die Scheiben nie aus dem Blick lassen. Für meine große Schwester und mich war es ein neues, abenteuerliches und exotisches Essen. Meine Eltern beschlossen schon bald und zur allgemeinen Freude, unseren ersten elektrischen Toaster anzuschaffen.

Da ist er nun. Er wird mit Strom beheizt und besteht aus Edelstahl und schwarzem Plastik in einem modernen und schicken Design. Auf jeder Seite hat das tolle Gerät einen Flügel mit einem isolierten Plastikgriff. Das Brot wird getoastet, indem man die Flügel aufklappt und die Scheiben hineinlegt. Beim Schließen wird das Brot dann sehr nah an die zentralen Heizspiralen gedrückt. Leider ist für unser Graubrot zu wenig Platz. Wir müssen es also zuschneiden. Das labberige und teure Toastbrot nach amerikanischem Vorbild haben wir einmal probiert. Es passt perfekt in das tolle Gerät, aber das ist auch schon alles. Das geschmacklose, bleiche Zeug kommt uns nicht noch einmal ins Haus. Die Darsteller in dem Film mit Doris Day waren offenbar einfach nur sehr gute Schauspieler gewesen.

Die Sache mit dem ständigen Aufpassen und dem Wenden mit spitzen Fingern ist übrigens gleich geblieben. So steht das Gerät bei jedem Abendessen mitten auf dem gedeckten Esstisch. Wir beobachten es und zählen auf der Küchenuhr die Sekunden, um den optimalen Moment nicht zu verpassen.

Mal sehen, wann es endlich einen Toaster geben wird, der bemerkt, wenn eine Brotseite braun genug ist, und dann selbst die Scheiben wendet.

Die moderne Technik wird es sicher bald möglich machen.

Schreiberling: Manfred Kliem - Text: Blomberg #3